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Vom Einigeln und Auskühlen

Kälte. Überall und ständig. Da wünscht jeder sich ein dickes Moospolster aufs Dach. Und Herbstlaub, meterhoch an die Wände geschichtet. Drinnen ein Ofen und viel Feuerholz. Bis die Kacheln heiß sind, würde ich mich einigeln. Pullover anziehen, dicke Socken und ab unter die Steppdecke. Eine große Steppdecke, mit der die Füße noch bedeckt sind, wenn ich sie mir bis über den Kopf ziehe. Dick eingemummelt spüre ich dann, wie mein Körper selbst die enge Höhle wärmt. Nur nichts davon entweichen lassen, bis das Ofenfeuer richtig brennt. Erst dann gibt es Tee.

Ach, der Winter. Er war immer mein Freund. Über frisch gefallene Schneeflächen stapfen, das Eis unter den Füßen knirschen hören, mit Reif geschmückte Baumwipfel bewundern. Eine Zauberwelt, einzigartig, verlockend, vergänglich. Schnell hinaus in die Kälte. Rein in Jacke, Mütze, Stiefel und Handschuhe. Wer in Bewegung bleibt, kriegt keine kalten Füße. Rote Wangen frieren nicht. Schau, unser Atem dampft wie aus Drachennüstern. Erst wenn die Handschuhe nass waren, ging es wieder ins Haus. Dort setzten wir uns mit dem Rücken an den Kachelofen, tranken heiße Milch und warteten auf die Bratäpfel. „Hoffentlich taut es nicht“, wünschten wir uns beim Blick aus dem Fenster. Bei nächster Gelegenheit ging es wieder hinaus.

Ich friere. Die Bushaltestelle ist nur ein Schild, ein Wartehäuschen fehlt. Vielleicht würde es etwas Schutz bieten, vor dem eisigen Wind. Ich habe kalte Füße, trotz dicker Socken. Während ich hier stehe, klopft der Frost mich auf Schwachstellen ab. Die Kälte zieht in jede Ritze, mein Gesicht hat sie schon erobert. Etwas auf der Stelle stapfen, die Arme schwingen, in die Hände klatschen. Keine Wirkung, eher das Gegenteil. Wo bleibt nur der Bus? Haben die drei Schneeflocken tatsächlich den gesamten Verkehr zum Erliegen gebracht? 

Kälte. Überall und ständig. Da wünscht jeder sich ein dickes Moospolster aufs Dach …

(c) Lutz Schafstädt – 2026
Meine Miniaturen: Kurze Texte, kleine Ideen, spontane Gedanken.

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