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Mecklenburg: Bergfried, Burg und Backstein

Burg Stargard ist eine Höhenburg im Norddeutschen Tiefland. Die umgebende Landschaft aus Seen, Wäldern, Hügeln und Tälern wurde von der Eiszeit geformt. Zum Tollensesee und nach Neubrandenburg ist es nicht weit.

März 2026 | Wir besuchen Burg Stargard an einem Sonntag im Frühling. Der Turm aus rotem Backstein ist weithin sichtbar und auch der Burgberg unter seinem Fundament ist 90 Meter hoch. Schon bald werden wir feststellen, dass man ihn Bergfried nennt und er das Wahrzeichen des Ortes Burg Stargard ist.

Das Gelände gliedert sich in Vor- und Hauptburg, jeweils mit wehrhaften Toren als Eingang, und besteht aus elf erhaltenen Gebäuden. Der innere Burghof öffnet sich als ovales Rund. Er wird vom imposanten Bergfried dominiert, neben dem sich die Ruine des ehemaligen Haupthauses der Residenz erhebt. Es brannte vor gut hundert Jahren aus, wurde baulich grob gesichert und wartet geduldig auf eine eventuelle Rekonstruktion. Die Burgmauer und die umstehenden Backsteinbauten verbreiten mittelalterliches Ambiente. Leicht kann man sich vorstellen, wie die Burg in ihrer Blütezeit ausgesehen haben mag. Doch die Geschichte des Ortes reicht viel weiter zurück.

Schon in der Jungsteinzeit haben hier Menschen gelebt. Während der Völkerwanderung besiedelten slawische Stämme in die Gegend. Ab dem 12. Jahrhundert hatten dann christliche Eroberer das Sagen. Von da an entwickelte sich die Burg zu einem Machtzentrum, wurde ausgebaut, befestigt und schließlich die Residenz der Herzöge von Mecklenburg.

Der Dreißigjährige Krieg brachte einen tiefen Einschnitt: General Tilly nutzte die Burg als Hauptquartier für die Belagerung von Neubrandenburg. Es gab Kampfhandlungen und starke Zerstörungen. Danach war die Zeit als Residenz vorbei, doch Burg Stargard blieb herzoglicher Verwaltungssitz. Mehrfach wechselten die Besitzer, und die Anlage wurde an neue Nutzungen angepasst, umgebaut und erweitert. In der jüngeren Vergangenheit war die Burg Landesjugendschule und Jugendherberge. Seit 1990 wird die Bausubstanz schrittweise restauriert.

Gerade diese ständige Umnutzung erwies sich als Glücksfall: Jede Epoche hinterließ ihre Spuren, doch während anderswo Burgen zur romantischen Ruine verfielen, blieb diese Anlage lebendig und intakt und bewahrte ihren mittelalterlichen Charakter.

Wir haben uns alles bei einem entspannten Rundgang angeschaut. Die Burgtore, die ehemalige Burgkapelle im Torhaus, die Alte Münze, den Marstall und das Amtsreiterhaus. Viele Gebäude sind noch komplett und können besichtigt werden, und sei es nur von außen.

Auch auf den Bergfried sind wir hinauf. Einige Runden auf der Wendeltreppe sind zu bewältigen, doch die Aussicht aus 35 Metern Höhe weit in die mecklenburgische Landschaft lohnt die Mühe.

Im Sockel des Turmes gibt es eine Luke, durch die man in ein Verlies schauen kann. Tief unten wurden auf einem Strohlager ein paar bleiche Knochen ausgelegt und lassen die Betrachter erschauernd an die dunklen Kapitel der Burggeschichte denken. 1726 fand hier der letzte Hexenprozess Mecklenburgs statt. Hat die Angeklagte vielleicht in diesem Kerker gelegen?

Wer sich tiefer mit der Geschichte des Ortes und der Architektur beschäftigen möchte, bekommt am Ticketschalter eine Broschüre mit Lageplänen und Erläuterungen. Auf dem Gelände selbst helfen zahlreiche Infotafeln bei der zeitlichen Einordnung von Mauern, Giebeln und Toren.

Zum Abschluss, so hatten wir zumindest bei der Planung gedacht, wollen wir das Burgcafé für einen Imbiss nutzen. Doch hier wurde im Internet falsche Erwartungen geweckt. Die köstlichen Leckereien im Café bestanden aus zwei Sorten Pizza-Ecken und Kuchen, die am Ticketschalter bestellt werden konnten. Für einen Sonntagsausflug hatten wir uns dann doch etwas mehr erhofft und machten uns lieber in Richtung Tollensesee auf die Suche nach einer Schenke.

Die Burg Stargard ist ein geschichtsträchtiger Ort mit authentischem Charme, an dem man interessante Stunden verbringen kann. Und satt sind wir an diesem Tag auch noch geworden.

Siehe auch: #regionnordost 
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(c) Lutz Schafstädt – 2026

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