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Potsdam-Sacrow: Gutspark und Heilandskirche

Die Parkanlagen am Sacrower Havelufer gehören zum Ensemble der preußischen Schlösser und Gärten rings um den Jungfernsee. Das Dorf Sacrow geht auf ein mittelalterliches Rittergut zurück, von dem es heute keine Spuren mehr gibt. Die bestehenden Gebäude des Gutes entstanden zum Ende des 18. Jahrhunderts. Schloss und Park erlebten ihre Blütezeit, als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen das Gelände erwarb und in seine Residenzlandschaft integrieren ließ. Peter Joseph Lenné gestaltete die Gartenanlage um, am Flussufer wurde die italienisch anmutende Heilandskirche gebaut.

Nach dem Ende der Monarchie bewohnten hohe Beamte das Herrenhaus. Im Dritten Reich wurde es tiefgreifend umgebaut und modernisiert, wobei die barocken Elemente und viele architektonische Details verloren gingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss Erholungsheim für Kinder. Schließlich übernahm der Zoll der DDR das Haus und nutzte den Park als Ausbildungsgelände für Spürhunde.

Mit dem Bau der Berliner Mauer wurden Park und Uferstreifen zum Grenzgebiet. Die Heilandskirche stand während dieser Zeit mitten im Todesstreifen und war dem Verfall preisgegeben. Der Fall der Mauer kam für die Kirche sprichwörtlich in letzter Minute. Nach der Sicherung der vorhandenen Bausubstanz begann schon bald die aufwendige Restaurierung. Das Bauwerk, die Ausstattung und auch das Umfeld konnten weitestgehend wiederhergestellt werden. Heute gehört die Heilandskirche zu den beliebtesten Ausflugszielen in Potsdam und ist für die vorbeifahrenden Ausflugsschiffe auf dem Jungfernsee eine besondere Attraktion.

Entlang der Parkwege zur Heilandskirche

April 2021 | Wir machen einen Frühlingsspaziergang im Sacrower Park und starten am Schloss. „Schloss“ ist eigentlich ein etwas großer Begriff. Herrenhaus trifft es besser, vielleicht Gutsschloss. Ich will dem Haus damit nicht Unrecht tun. Es ist ordentlich saniert, die helle Fassade leuchtet weithin durch die Baumreihen. Doch im, am und um das Schloss wird mit dekorativen Elementen äußerst sparsam umgegangen. Außerdem steht das Schloss derzeit leer. Man darf gespannt sein, welche Nutzung sich als tragfähig erweist, nachdem einige Versuche bereits gescheitert sind.

Wir gehen zur Tausendjährigen Eiche hinüber. Sie wirkt älter, als sie tatsächlich ist. Rund um ihren massiven, ramponierten Stamm liegen tote Äste wie abgenagte Knochen herum, noch immer im festen Griff breiter Eisenschellen, die sie einst aufrecht halten sollten. Es wirkt, als sei die Baumkrone irgendwann unter ihrer eigenen Last auseinandergebrochen.

Der vor uns liegende Park wurde geprägt von König Friedrich Wilhelm IV., dem sogenannten Romantiker auf dem Preußenthron. Er fand Gefallen an der Lage am Jungfernsee und liebte Sichtachsen. Sein General-Gartendirektor Lenné fand dafür ideale Bedingungen. Es ist bis heute eindrucksvoll, wie viele Sichtachsen sich von Sacrow aus ergeben: zur Pfaueninsel, zum Schloss nach Glienicke, zur Glienicker Brücke. Der Flatowturm im Babelsberger Park ist auszumachen, die Kuppel der Nikolaikirche, das Marmorpalais im Neuen Garten, das Belvedere auf dem Pfingstberg und vieles mehr. Es macht Spaß, diese Beziehungen zwischen Wegen, Schnittpunkten und Ausblicken zu erkunden. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal ein Fernglas dabeizuhaben.

Der Höhepunkt jedes Rundgangs durch den Sacrower Park ist die Heilandskirche. Sie gibt sich sehr italienisch und steht unmittelbar am Fluss. Sie mutet an wie ein steinernes Schiff, das an der idyllischsten Uferstelle festgemacht hat. Die Mauern der äußeren Flanke sind der von Wasser umspülte Rumpf, das Deck wird von einem umlaufenden Säulengang gebildet. Einen Mast auf dem Schiff gibt es nicht, dafür ein Campanile – einen freistehenden Glockenturm am Vorplatz zum Haupteingang der Kirche.

Der romantische Preußenkönig gab ihren Bau unmittelbar nach dem Kauf von Sacrow in Auftrag. Es heißt, er habe seinem Baumeister Ludwig Persius sogar persönlich gezeichnete Skizzen und Entwürfe übergeben, wie er sich den Kirchenbau vorstellte. Heute präsentiert sich die Heilandskirche wieder als architektonisches Kleinod. Als die Berliner Mauer direkt über den Vorplatz verlief, sah es nicht gut für das Bauwerk aus. Der Kirchenraum stand offen, war Nässe, Kälte und allen Widrigkeiten der Jahreszeiten ausgesetzt. Das Dach war marode und drohte einzustürzen. Nur der Glockenturm wurde genutzt – als Wachturm für die Grenzposten. Unvorstellbar, sagen wir heute kopfschüttelnd, und doch wahr. Wir befinden uns hier auch auf dem Berliner Mauerweg. Informationstafeln halten die Erinnerung daran wach und bilden einen starken Kontrast zur idyllischen Szenerie ringsum.

Übrigens ist der Sacrower Park auch ganz ohne Hintergrundwissen ein Genuss. Mit einer Picknickdecke auf dem Gras am Havelufer, unter wärmenden Sonnenstrahlen, mit dem Blick über das glitzernde Wasser zur Stadt hinüber, bei Vogelgezwitscher und Wiesenduft, ist es einfach nur schön hier. Stundenlang, wenn man mag.

Siehe auch: #potsdamerleben / #berlinermauerweg / Fundstück: Die „Tausendjährige“ im Sacrower Park

(c) Lutz Schafstädt – 2023
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1 Kommentar

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