Das Zisterzienserkloster Chorin liegt in den Wäldern zwischen Eberswalde und Angermünde im brandenburgischen Landkreis Barnim. Es gilt als repräsentatives Beispiel der norddeutschen Backsteingotik und ist ein beliebtes Ausflugsziel sowie Veranstaltungsort.
Erst Kloster, dann Ruine und nun Denkmal
Wo und so | Die Klosteranlage Chorin entstand ab 1273 durch den Umzug eines von askanischen Markgrafen gegründeten Ordens vom Parsteiner See an diesen neuen Standort. Die Gegend war damals die Siedlungsgrenze zu slawischen Gebieten und markierte den Machtanspruch der Askanier. Alles begann mit dem Ausbau einer bestehenden Wassermühle, danach entstand in jahrelanger Arbeit die Klosterkirche, deren Ziegel die Mönche selbst herstellten.
Als Meisterwerk der frühen Backsteingotik wirkte Chorin auf zahlreiche spätere Kirchenbauten. Entsprechend den Bauvorschriften der Zisterzienser verzichtete man auf Türme sowie auf figürlichen Schmuck, umso stärker prägte der aus Ziegeln kunstvoll gestaltete Westgiebel das Erscheinungsbild.
Mit der Reformation wurde das Kloster 1542 aufgelöst. Die folgenden Jahrhunderte brachten Vernachlässigung und Zweckentfremdung, Abbrucharbeiten führten zu starkem Verfall und machten Teile der Klosterbauten zu Ruinen.
Erst ab 1810 setzte sich Karl Friedrich Schinkel für Sicherung und Erhalt der Klosteranlage ein – nicht aus romantischer Schwärmerei, sondern wegen der architektonischen Qualität und der Bedeutung für nationale Identität. Das Kloster wurde so zu einem frühen Beispiel der Denkmalpflege in Preußen. Seit dem 20. Jahrhundert ist Chorin ein touristisch erschlossener Ort. Den beliebten Choriner Musiksommer gibt es seit 1964.
Kreuzgang im Frühling
Mai 2026 | Ich bin mir nicht sicher, ob bei unserem ersten Besuch vor vielen Jahren ein Eintritt erhoben wurde. Heute ist es so und der Preis ist gerechtfertigt. Es hat sich viel getan, was Rekonstruktion und museale Aufwertung betrifft. Fast sieht es nicht mehr nach Ruine aus, das Kloster wirkt kompakt und komplett, was sich bei genauerem Blick natürlich nicht bestätigt. Die Wunden und Narben sind sichtbar und müssen es natürlich auch bleiben.
Wir sind um die Mittagszeit angekommen, parken an der Alten Klosterschänke, die gerade umgebaut wird, und spazieren zum Klostereingang. Das Kloster gibt ein wirklich gutes Bild in der hellen Frühlingssonne und dem Maiengrün an den Zweigen. Bevor wir uns dem Kreuzgang, der Kirchenruine und den Ausstellungen widmen, essen wir einen Happen. Leberkäse mit Kartoffelsalat gibt es im Kloster-Café. Eigentlich nichts zu meckern, wären die Portionen nicht so winzig klein und Preise dadurch bis an die Schmerzgrenze überdehnt. Aber was soll’s, wir sind auf Ausflug, und nehmen gleich noch für jeden eine exklusive Cola dazu.
Die Runde über das Areal macht uns Spaß, wir hören eine Weile bei einer Führung zu. Dabei lassen uns auf die Hundespuren in den Bodenziegeln aufmerksam machen und erfahren, warum der Westgiebel ein gotisches Prachtstück ist. Überall bieten sich attraktive Bildmotive, das an der Seite aufgerissene Kirchenschiff bietet eine ganz eigene Aura. In einige Gewölbe und Räume sind Ausstellungen untergebracht, die das „ora et labora“ der Zisterzienser nahebringen. Die Klostermönche waren ihre eigenen Baumeister und Versorger. Sie betrieben Landwirtschaft, unterhielten ein Krankenhaus und ließen Wassermühlen für sich laufen. In ihrer Blütezeit muss die Klostergemeinschaft einigen Einfluss gehabt und unter der Gunst ihres Fürsten gestanden haben. Die Informationen an den Schaukästen und auf den Tafeln sind interessant und umfangreich, wer Zeit und Muße hat, kann sich hier ins Lesen versenken. Wir wollen hauptsächlich etwas Atmosphäre schnuppern und etwas backsteinerne Kloster-Romantik mit einem Hauch Mittelalter spüren.
Schneereste im Klosterhof
Januar 2011 | Bei einer Sonntagsrunde, die uns nach Angermünde und zum Schiffshebewerk Niederfinow führte, kamen wir beim Kloster Chorin vorbei. Es war ein kühler Nachmittag unter dicken Wolken, im Klosterhof lagen Schneereste in den Ecken. Die Ruine der Klosterkirche war zur Hofseite offen, keine Mauer zwischen der Torbögen hielt das Wetter draußen, durch die leeren Fensterhöhlen fegte der Wind. Trotz des Winters schien hier kürzlich eine Veranstaltung gewesen zu sein, denn die Kirchenhalle war komplett mit Stühlen gefüllt und im Chor stand ein Bühnenpodest. Vielleicht hatte es kürzlich ein Neujahrskonzert hier gegeben – Kunst lässt sich schließlich auch im dicken Mantel genießen.
Wir schritten alle Arkaden des umlaufenden Kreuzganges ab, schauten in alle Räume, die zugänglich waren und gingen sogar noch einmal außen um die Kirche herum, damit uns auch Giebelseite und Chorbogen nicht entgehen. Für uns war Kloster Chorin auch im Winter ein schönes Ausflugsziel.
Siehe auch: #nordostbrandenburg
Zurück zu: Unterwegs – Ausflüge und Reisen
(c) Lutz Schafstädt – 2026

















