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Kreta: Zwischen Meer und Weißen Bergen

Wir machen Urlaub in Georgioupolis, einem kleinen Ort an der westlichen Nordküste Kretas, ziemlich genau zwischen den Städten Rethymno und Chania gelegen. Heraklion ist mit 100 Kilometern schon ein gutes Stück weiter weg.

Juni 2010 | Wir kommen um die Mittagszeit in Georgioupolis an. Unser Hotel steht in zweiter Reihe, gleich hinter der Strandpromenade. Vom Balkon aus sehen wir ein Stückchen Meer, aber der eigentliche Blickfang sind die Weißen Berge im Hinterland. Die Gipfel des Gebirgsmassivs ragen bis auf etwa 2.500 Meter, wo sie Meeresbrisen in Wolkentupfen und Schnee verwandeln. Sie bilden einen erfrischenden Kontrast zur flirrenden Luft in der Mittagshitze an der Küste.

Schnell sind die Koffer im Zimmer verstaut und wir wieder draußen. Nur rund 50 Meter sind es bis zum Strand. Georgioupolis liegt an einer weit geschwungenen Bucht mit dem, wie es heißt, längsten Sandstrand auf Kreta. Rechts zieht er sich schier endlos bis zum Horizont, links wird die Bucht von Bergen eingerahmt. Dort erkennen wir eine Hafeneinfahrt mit ein paar kleinen Booten und in der Ferne blinkt eine weiße Kapelle auf einem winzigen Inselchen.

Entlang der Promenade reihen sich Tavernen, Bars, kleine Hotels und Geschäfte aneinander. Man merkt sofort: Der Tourismus gibt hier den Ton an, aber auf eine angenehme Art. Die Hotelanlagen wirken eher klein, die Bebauung ist aufgelockert, und obwohl am Strand genug los ist, fühlt es sich nicht überlaufen an.

Schon bei unserem ersten Spaziergang am Strand fallen uns die kleinen Rinnsale im Sand auf. Mitten zwischen den Sonnenliegen sprudeln sie wie kleine Quellen hervor und verlieren sich gleich wieder in der flachen Brandung. Wenn man den Fuß hineinstellt, merkt man sofort: Das Wasser ist eiskalt. Es stammt aus den nahen Bergen, die ihr Schmelzwasser hier unten am Meer wieder freigeben. Ein paar hundert Meter weiter verstehen wir das Zusammenspiel so richtig: Ein wasserreicher, schnell strömender Bach ergießt sich hier ins Meer, so breit, dass ein Steg nötig ist, um ihn zu überqueren.

Direkt an diesem Ufer, eingerahmt von hohem Schilf, steht eine kleine Taverne. Einige Enten treiben im Wasser, ein Schild macht darauf aufmerksam, dass es hier Sumpfschildkröten geben soll. Wir nehmen Platz, bestellen ein Mythos-Bier und Griechischen Bauernsalat. Das Bier kommt in geeisten Gläsern, so kalt, dass außen Reif entsteht und sich innen kleine Eisklumpen bilden. Der Salat überzeugt mit einem bemerkenswert guten Feta und Tomaten mit intensivem Aroma. So schmeckt es nur in Griechenland. Schildkröten sehen wir bei diesem Besuch zwar nicht, vielleicht schauen wir einfach nicht aufmerksam genug in das Gewirr aus Schilf und Wasser.

Nach dieser Pause ziehen wir weiter in Richtung Zentrum von Georgioupolis. Es besteht aus wenigen Straßen und der Platia, dem zentralen Platz mit dörflichem Charakter: Geschäftiges Treiben und große Sonnensegel über den Außenplätzen der Tavernen. Weiteren Schatten spenden Eukalyptusbäume, die überall das Ortsbild prägen. Sie wurden vor über 100 Jahren gepflanzt, um das sumpfige Gelände zu entwässern und die Malariafliege zu bekämpfen. Aus dieser eher praktischen Entscheidung ist ein unverwechselbares Merkmal geworden: Die mächtigen Bäume säumen die Hauptstraßen und ziehen sich durch das Dorf.

Von der Platia ist es nicht weit zum Fischerhafen. Der Fluss, der hier ins Meer mündet, heißt Almiros. Er führt kühles Wasser aus den Bergen und lässt im Hinterland in einem breiten Streifen das Schilf sprießen. Von der Brücke über den Almiros sehen wir nun auch die Sumpfschildkröten, die hier zahlreich leben sollen. Am Hafen in der Flussmündung haben einige Fischerboote festgemacht. Wir schlendern ihre Parade ab und erreichen die Hafeneinfahrt, wo ein aufgeschichteter Steinwall hinaus in die Bucht führt. Er ragt nur knapp über die Wasserlinie, wird immer wieder einmal von einer Welle überspült und wirkt entsprechend glitschig.

Der Wall endet bei einem Inselchen, auf dem jene weiße Kapelle steht, die wir schon vom Strand aus gesehen haben. Sie leuchtet strahlend über vor dem Blau des Himmels und scheint auf dem Meeresblau zu schwimmen. Natürlich wollen wir sie aus der Nähe sehen. Wir tasten uns vorsichtig über die nassen Steine und glauben nun zu verstehen, warum am Ende des Weges ein Kirchlein steht: Es ist der ideale Ort, um für die sichere Ankunft zu danken und mit einer entzündeten Kerze um himmlischen Beistand für den Rückweg zu bitten.

Der abenteuerliche Weg zur Kapelle wird mit einem einzigartigen Blick belohnt. Er reicht weit über Strand, Küste und die dahinter aufragenden Berge. Ein Postkartenblick, der den Charakter dieses Ferienortes zusammenfasst: die Bucht, die Küste, die verstreuten Gebäude, Dorf und Tourismus, das Meer und die Berge.

Wir sind zufrieden mit unserem Urlaubsort und freuen uns auf erholsame Ferientage.

Siehe auch: #kreta2010 
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(c) Lutz Schafstädt – 2026

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