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Lolland: Dodekalitten

Während unserer Herbstwoche in Dänemark besuchten wir die Dodekalitten auf Lolland. Die Granitfiguren stehen im Norden der Insel auf einem weithin sichtbaren Hügel bei Kragenæs.  

Steinerne Köpfe im Kreis

Wo und so | „Dodeka“ bedeutet auf Griechisch zwölf, „Lithos“ ist der Stein. Damit ist aufgelöst, worum es sich beim Kunstprojekt Dodekalitten handelt. Zwölf riesige Köpfe auf Granitstelen versammeln sich auf freiem Feld, bilden einen Kreis und blicken einander an. Derzeit sind es elf Blöcke mit Gesichtern; bei unserem letzten Besuch vor vier Jahren waren es noch zehn, von denen erst sieben fertig modelliert waren. Im Jahr 2026 soll ein Felsblock aus Grönland die letzte Lücke schließen, dann ist die Kunstinstallation komplett.

Wo die Granitköpfe summen

November 2025 | Wir kennen den Weg bereits, doch er ist auch so leicht zu finden. Die Dodekalitten sind in Kragenæs gut ausgeschildert. Man kann entweder durch ein Wäldchen gehen oder den Hinweisschildern vom Fähranleger folgen, bis sich beide Wege am Waldrand vereinen und über das offene Feld direkt zur Figurengruppe führen. Die Skulpturen stehen auf einem Hügel in der sanft gewölbten Landschaft, die im Infoflyer keck als „Lolländer Alpen“ bezeichnet wird. Umgeben von Ackerland sind sie schon von Weitem gut sichtbar. Mit jedem Schritt darauf zu wirken die Stelen imposanter und offenbaren mehr Details. Der Spaziergang dauert etwa eine Viertelstunde, und auch beim zweiten Besuch sind wir erneut beeindruckt von der Größe der Figuren. Bis zu neun Meter hoch sind die Felsblöcke und wiegen mehrere Dutzend Tonnen.

Wer sich in die Mitte des Kreises stellt und in die steinernen Gesichter blickt, spürt eine besondere Atmosphäre. Weiter Himmel, grüne Landschaft und das Meer bilden die Kulisse, während der Steinkreis davon abschirmt und einen Raum schafft – man fühlt sich als Teil einer stummen Versammlung. Doch es bleibt nicht still: Plötzlich ertönt ein dezentes Rauschen und Grummeln. Es ist nicht der Wind, der hier singt. Aus den Sitzsteinen vor den Figuren erklingt Musik. Es sind elektronische Klänge, die einen sich ständig wandelnden und allmählich lauter werdenden Geräuschteppich schaffen. Während die Ohren lauschen, schweift der Blick über die Gesichter, und meinen fast, ihre Gedanken lesen zu können. Der Ort hat etwas Magisches. Er erinnert an archaische Steinkreise aus der Vorzeit, an Kultstätten, an denen sich Stammesvertreter trafen, berieten oder geheimnisvolle Rituale vollzogen. Ganz in der Nähe, vom Steinkreis aus sichtbar, errichteten die Inselbewohner der Bronzezeit mehrere Grabhügel für ihre Anführer. So vereinen sich Kunst, Natur und Geschichte, und die Figuren des Kunstprojekts scheinen sich darüber flüsternd zu unterhalten.

Die besondere Aura dieser Installation lässt sich auf Fotos kaum einfangen. Schaut selbst bei den Dodekalitten vorbei, lauscht und schaut und haltet inne. Vielleicht ist inzwischen sogar der letzte steinerne Teilnehmer der Runde eingetroffen.

Skulpturenreigen und Hünengräber

Oktober 2021 | Kragenæs heißt das Stichwort, nach dem wir heute unterwegs Ausschau halten wollen. Ich habe den Ortsnamen in einem Werbeprospekt in unserer Begrüßungsmappe entdeckt. Die Nordküste von Lolland, heißt es, sei hier besonders schön. Es gibt Hügel und Wälder. Vor der seichten Küste liegen viele kleine Inseln verstreut. Es gibt Hünengräber und einen Skulpturenpark. Das liest sich alles sehr vielversprechend.

Das Dorf Kragenæs besteht aus einer Straße mit einigen Gehöften in typisch dänischer Ordentlichkeit, die am Fähranleger endet. Daneben ein kleiner Hafen und ein Campingplatz. Zum Fähranleger gehört ein Imbiss und ein Toilettenhäuschen. Die Dodekalitten sind ganz in der Nähe. Es geht erst durch ein Wäldchen, dann auf das freie Feld hinaus. Auf dem Hügel vor uns stehen sie im Kreis: die steinernen Stelen. Seit mehreren Jahren verwandeln sich hier die rohen Felsblöcke in Figuren, genauer gesagt in Köpfe. Die Mehrzahl der Stelen hat schon ein Gesicht, mit jedem neuen Jahr soll ein weiterer Kopf fertiggestellt sein, bis das Dutzend komplett ist. Bereits jetzt ist die Wirkung imposant. Alle Gesichter schauen sich an, stehen im Kreis wie um ein Feuer zu einem Ritual versammelt. Im Inneren des Kreises stehen Sitzfelsen für die Besucher, aus denen Musik erklingt. Mystische Melodien, leise elektronische Klänge, die sich mit Rauschen des Windes vermischen.

Vom Hügel aus ist der Blick in alle Richtungen frei, geht weit in die Landschaft, wo Hünengräber und Bauminseln auf die Felder gestreut sind. Es hat etwas Besonderes hier zu stehen, zwischen den riesenhaften Gestalten, die daran erinnern, dass hier seit der Bronzezeit Menschen in Gemeinschaften gelebt haben. Und gestorben sind. In der Nähe der Dodekalitten gibt es mehrere große Grabhügel, die wir uns natürlich auch aus der Nähe anschauen.

Siehe auch: #lollandfalster 
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(c) Lutz Schafstädt – 2026

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