Menü Schließen

Sachsen: Morgenröthe-Rautenkranz

Wo Erzgebirge und Vogtland ineinander übergehen, liegt Morgenröthe-Rautenkranz. Es ist Erholungsort und der Geburtsort von Sigmund Jähn, dem ersten deutschen Kosmonauten

Raumfahrt im Vogtland

Wo und so | Morgenröthe-Rautenkranz ist ein Erholungsort. In den Wäldern der Umgebung lässt sich gut wandern und Wintersport treiben, hier trifft man auf Bergbautradition und Kunsthandwerk. Wer in der DDR aufgewachsen ist, hat von dem Ort meist aus einem anderen Grund schon gehört: Er ist die Heimat unseres Fliegerkosmonauten Sigmund Jähn.

Im Sommer 1978 flog Sigmund Jähn als erster Deutscher zur russischen Raumstation Saljut hinauf in den Orbit. Mit einer ständigen Ausstellung wurde sein Geburtsort kurz darauf zum Wallfahrtsort für Kosmos-Begeisterte. Heute gibt es einen modernen Bau – mit blauer Hülle und dem Charme einer Lagerhalle. Doch das funktionale Gebäude beherbergt eine Schau, deren Besuch sich lohnt. Die „Deutsche Raumfahrtausstellung“ zur Geschichte der Raumfahrt und Weltraumforschung hat den einst auf die sowjetischen Erfolge eingeengten Blick erweitert: Zu den Kosmonauten haben sich die Astronauten gesellt, außer Sojus-Raketen starten auch Modelle von Apollo und Ariane in ihre imaginären Umlaufbahnen. Und was ich dazugelernt habe: Auch Ulf Merbold, der erste Bundesbürger im All, war einst im Vogtland zu Hause.

Kosmonauten und Astronauten, MIR und ISS

Mai 2011 | Morgenröthe-Rautenkranz. Das ist doch mal ein schöner Name für einen Ort. Wie melodisch und anheimelnd. So hübsch wie die Berghänge ringsum. Im Tal, eingezwängt zwischen Fernstraße und Bahngleis, plätschert die Zwickauer Mulde. Bald schon bekommt sie zwischen Bäumen und Wiesen ihre Freiheit zurück.

Ich war schon einmal hier, Mitte der achtziger Jahre, um mir die Weltraumausstellung anzuschauen. Meine Erinnerung sagt mir, sie hat sich in einem Bahnhofsgebäude befunden. Deshalb drehen wir eine vergebliche Runde durch das Dorf, bevor wir das Gelände am Ortsrand finden.

Auf der Freifläche vor dem Eingang wurde ein Planetenpark angelegt, der unser Sonnensystem (ich nehme an maßstabsgetreu) darstellt und eine Ahnung von den Dimensionen außerhalb unseres irdischen Daseins vermittelt. Neben dem Spielplatz steht wie ein Denkmal eine originale MiG-21, das Jagdflugzeug von Sigmund Jähn, dessen Laufbahn als Pilot natürlich militärisch begonnen hat.

In der Ausstellung finden sich Raumanzüge, Raketenmodelle, Bilder und technische Geräte, die einen vielseitigen Einblick in die Entwicklung der Weltraumforschung geben – vom Sputnik bis zur ISS. Eine besondere Anziehungskraft auf die Besucher hat das originale Trainingsmodul der MIR-Station. Woran man alles denken muss, in der Schwerelosigkeit: Riemchen und Haltegurte, kleine Schubladen und versteckte Fächer halfen, die Dinge an ihrem Platz zu halten. Verblüfft schauen wir, wie schlicht, wie einfach, wie untechnisch, wie russisch das heute alles wirkt. Wie beengt die Kosmonauten teils über Monate gelebt und gearbeitet haben. Unvorstellbar. Die enge Luke zum Andocken der Sojus-Kapsel war der einzige Weg zurück in die Welt. Und erst die Toilette – für uns Erdgebundene besonders interessant.

Wieder am Eingang, frage ich die Kartenverkäuferin, ob nicht früher auch die originale Landekapsel zu sehen war, signiert von Jähn und Bukowski, nachdem sie in der kasachischen Steppe gelandet waren. „Nein, nie“, ruft gleich einer der Einheimischen aus der zweiten Reihe. In dieser Frage trügt mich die Erinnerung. Es wird sich wohl um ein Foto gehandelt haben – stand nicht sogar Sigmund Jähn neben dem Landemodul, noch mit dem Stift in der Hand? Und dann fällt mir ein, wie wir am 3. September 1978 alle vor dem Fernseher saßen. Ich war Lehrling damals. Die Arbeit wurde unterbrochen, wir gingen hinaus und schauten gebannt auf den kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirm, den man in den Schatten eines Baumes gestellt hatte. An Fallschirmen segelte die Kapsel herab und wir drückten die Daumen für die letzten Meter. Was waren wir stolz auf ihn, unseren Kosmonauten Sigmund Jähn!

Siehe auch: #vogtland_erzgebirge

(c) Lutz Schafstädt – 2023
Zurück zu: Unterwegs – Ausflüge und Reisen



Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert