Statt den Frühling einzuläuten, bringt der März 2018 klirrende Winterkälte zurück. Viele Tage bereits sinken die Nachtfröste weit in den Minusbereich und lassen Flüsse und Seen erstarren. Ergebnis sind spiegelglatte Flächen, die schnell von Kindern und Schlittschuhläufern erobert werden. Am ersten Märzwochenende wollen wir deshalb auch herausfinden, ob die Havel uns trägt. Wo könnte ein Winterspaziergang am Fluss zu einem schönen Ausflug werden? In Caputh, dort waren wir lange nicht.
Das Schloss Caputh grenzt mit seinem kleinen Park direkt an das Havelufer. Gleich daneben gibt es eine Anlegestelle für Ausflugsdampfer. Noch mit der Wärme aus dem Auto unter den Jacken spazieren wir durch die in Eisstarre gefangene Natur.
Es passiert nicht oft, die Havel so gefroren zu erleben, dass man mehr als den Uferstreifen betreten kann. Und auch dann ist Vorsicht geboten, handelt es sich doch um ein fließendes Gewässer, das mit Strömungen und unsichtbaren Zuflüssen jederzeit für eine Überraschung sorgen kann. Obwohl in der Ferne offene Wasserflächen sichtbar sind und stattliche Risse das Eis durchziehen, haben sich einige Eisläufer auf die Havel gewagt und drehen, weitab vom rettenden Ufer, ihre Runden. Wir bleiben zaghaft und begnügen uns damit, die bizarren Vereisungen im Schilf und in den Uferbüschen zu bewundern. Weil es keinen Schnee gibt, kann die klare Frostluft als Eiskünstler brillieren.
Eine Familie, die Schlittschuhe der Kinder noch unter dem Arm, steht unschlüssig auf dem Steg. Ein einheimischer Spaziergänger sieht das Zögern der Ausflügler, bleibt stehen und rät davon ab, es hier auf Kufen zu versuchen. Er empfiehlt, lieber auf den Caputher See zu wechseln, nur wenige Gehminuten entfernt, gleich auf der anderen Seite des Ortes. Dort sei das Eis freigegeben. Natürlich gehen auch wir dorthin.






Auf dem See herrscht munteres Treiben. Hier kann das Eis bedenkenlos betreten werden, und es wird emsig davon Gebrauch gemacht. Es wird Eishockey gespielt, Schlittschuh gelaufen, Kinder und Hunde tobten umher. Am Ufer liegen bunt verstreut die Taschen und Schuhe. Wir bleiben, bis der Frost uns in die Nasen zwickt, und bedauern die verschreckten Knospen an den Zweigen. Wie gesagt, es ist März.
(c) Lutz Schafstädt – 2021
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