Der ausgedehnte Buchenwald im Nationalpark zählt zum UNESCO-Welterbe. Weltberühmt ist Jasmund jedoch für die spektakulären Kreidefelsen entlang der Steilküste …
Naturwunder aus der Kreidezeit
Wo und so | Wer vom Nationalpark Jasmund im Norden der Insel Rügen noch nichts gehört hat, dem sind jedoch garantiert die Kreidefelsen ein Begriff. Königsstuhl, Viktoriasicht, Stubbenkammer, Caspar David Friedrich – es gibt viele Schlüsselworte, die mit dieser Hauptattraktion der Region verbunden sind. Seit der Zeit der Romantik kommen Besucher von weit her, um die fantastische Aussicht und den märchenhaften Anblick zu bewundern. Die Felsen, die damals auf Bildern gebannt wurden, sind längst vergangen, denn die Natur sorgt für beständige Veränderung. So ist jede Begegnung mit der Kreideküste auf ihre Art einmalig, und sie reicht weit über das Besucherzentrum am Kaiserstuhl hinaus. Eingebettet ist sie in einen ursprünglichen Buchenwald, in dem viele seltene Pflanzen und Tiere leben. Von Sassnitz bis nach Lohme gibt es einen Wanderweg, der sich über ein Dutzend Kilometer an die gewundene Steilküste schmiegt.
Herbstspaziergang auf Buchenlaub
November 2022 | Die berühmten Felsen am Nationalpark-Zentrum kennen wir schon von früheren Besuchen. Deshalb fahren wir dieses Mal nach Lohme, um von dort eine kleine Wanderung durch den herbstlichen Buchenwald entlang der Kreideküste zu unternehmen. Lohme ist ein Ort oberhalb der Steilküste, schwebt gewissermaßen als Aussichtsposten hoch über der Ostsee und ist bekannt für einen herrlichen Blick auf Kap Arkona. Wie wir erfahren, hat ihn sogar Theodor Fontane von der Veranda des damaligen Strandhotels Ostseebad Lohme aus schon bewundern dürfen. Zum Hafen hinunter führt eine Treppe steil in die Tiefe, ein schmaler Weg am Rande des Abgrundes verliert sich talwärts zwischen den Buchenstämmen. Wir bleiben oben, erfreuen uns an der Herbststimmung und rascheln mit den Füßen im rotbraunen Laub das Hochufer entlang.








Nachdem der Baumvorhang den Blick zum Dorf verschlossen hat, fühlen wir uns wie in einem Zauberwald. Die verschlungenen Wurzeln der Buchen klammern sich, halb frei geweht, an die steile Böschung. Der Weg wird schmal und wandelt sich zu einem urwaldartigen Trampelpfad. Steil strebt die Böschung der Ostsee zu, die zwischen den Baumstämmen blinkt und fast nicht vom Blau des Himmels zu unterscheiden ist. Der Wind singt in den Wipfeln und es duftet nach Wald.
Wir tippeln über die Kreideküste hinweg, in der Ferne ziehen Schiffe ihre Bahn, Zweige knacken unter unseren Füßen. Ein Waldspaziergang, eigentlich ultimativ ereignislos, und doch ein einzigartiges Erlebnis, an das ich gern zurückdenke.
Ein Teppich aus Buchenlaub, ein Dach aus dichten Zweigen, Herbstfarben in jeder erdenklichen Spielart. Dazu das Spiel der Sonnenstrahlen in den schwankenden Baumkronen. Uns umgibt eine Zauberwelt, weit ab von unserer alltäglichen Wirklichkeit, in der wir allein sind, doch weit davon entfernt, uns einsam zu fühlen. Der Wald kommt uns nach, doch wir fühlen Weite. Die Natur zeigt mit abgerutschten Hängen und entwurzelten Bäumen, wie viel Willkür und Grobheit in ihr wohnen, doch wir sind sorglos und entspannt. Und hätte in dieser Märchenstimmung das letzte Einhorn unseren Weg gekreuzt, es hätte uns nicht aus der Ruhe bringen können. Einzig der Gedanke daran, den gesamten Weg noch einmal als Rückweg bewältigen zu müssen, brachte die Vernunft ins Spiel. Ansonsten wären wir noch ein gutes Stück weiter Richtung Stubbenkammer gelaufen.
Siehe auch: #auf_rügen / #ostseeregion
(c) Lutz Schafstädt – 2023
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