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Burg Stargard

🧭Sie ist die nördlichste erhaltene Höhenburg Deutschlands und steht in Mecklenburg-Vorpommern, unweit von Neubrandenburg. Burg Stargard wurde im Mittelalter auf slawischen Vorgängerbauten errichtet und war jahrhundertelang von strategischer Bedeutung.

Slawenburg, Fürstenresidenz und Wahrzeichen

März 2026 | Der Burgturm aus rotem Backstein ist bei der Anfahrt schon von weitem sichtbar. Der Burgberg, auf dem er steht, macht sich auf dem letzten Stück durch eine leichte Steigung bemerkbar. Sonst gibt er sich eher unauffällig. Die umgebende Landschaft aus Seen, Wäldern, Hügeln und Tälern wurde von der Eiszeit geformt und gehört zur Mecklenburgischen Seenplatte. Zum Tollensesee und nach Neubrandenburg ist es nicht weit. Sanft geschwungene Konturen mit schroff ausgespülten Rinnen dazwischen. Da hebt sich ein Bergfried schon imposant heraus und wird zum Wahrzeichen der Gegend.

Burg Stargard gliedert sich in Vor- und Hauptburg, jeweils mit wehrhaften Toren als Eingang. Der innere Burghof öffnet sich vor uns als ovales Rund. Er wird vom Burgturm dominiert, an den sich die Ruine des ehemaligen Haupthauses anschließt. Einst fürstliche Residenz, brannte vor gut hundert Jahren aus, wurde baulich grob gesichert und wartet seither auf eine eventuelle Rekonstruktion.

Die Burgmauer und die umstehenden Backsteinbauten verbreiten mittelalterliches Ambiente. Leicht kann man sich vorstellen, wie die Burg in ihrer Blütezeit ausgesehen haben mag. Doch die Geschichte des Ortes reicht viel weiter zurück. Schon in der Jungsteinzeit, so lesen wir auf den Infotafeln, haben hier Menschen gelebt. Während der Völkerwanderung besiedelten slawische Stämme die Gegend. Ab dem 12. Jahrhundert hatten dann christliche Eroberer das Sagen. Von da an entwickelte sich die Burg zu einem Machtzentrum, wurde ausgebaut, befestigt und schließlich die Residenz der Herzöge von Mecklenburg.

Der Dreißigjährige Krieg brachte einen tiefen Einschnitt: General Tilly nutzte die Burg als Hauptquartier für die Belagerung von Neubrandenburg. Es gab Kampfhandlungen und starke Zerstörungen. Danach war die Blütezeit als Residenz vorbei, doch blieb Burg Stargard herzoglicher Verwaltungssitz. Mehrfach wechselten die Besitzer und erfolgten Umbauten. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Burg als Landesjugendschule und Jugendherberge genutzt. Seit 1990 wird die historische Bausubstanz schrittweise restauriert.

Gerade diese ständige Umnutzung jedoch erwies sich als Glücksfall: Jede Epoche hinterließ ihre Spuren, doch während anderswo Burgen zu romantischen Ruinen verfielen, blieb diese Anlage lebendig und intakt und bewahrte ihren mittelalterlichen Charakter.

Wir haben uns die Burg Stargard bei einem entspannten Rundgang angeschaut. Die Burgtore, die ehemalige Burgkapelle im Torhaus, die Alte Münze, den Marstall und das Amtsreiterhaus. Viele Gebäude sind noch komplett und können besichtigt werden, und sei es nur von außen. Auch auf den Bergfried sind wir hinauf. Einige Runden auf der Wendeltreppe sind zu bewältigen, doch die Aussicht aus 35 Metern Höhe weit in die mecklenburgische Landschaft lohnt die Mühe.

Im Sockel des Turmes gibt es eine Luke, durch die man in ein Verlies schauen kann. Tief unten wurden auf einem Strohlager ein paar bleiche Knochen ausgelegt und lassen die Betrachter erschauernd an die dunklen Kapitel der Burggeschichte denken. 1726 fand hier der letzte Hexenprozess Mecklenburgs statt. Hat die Angeklagte vielleicht in diesem Kerker gelegen?


Zum Abschluss, so hatten wir zumindest bei der Planung gedacht, wollten wir das Burgcafé für einen Imbiss nutzen. Doch hier wurden im Internet falsche Erwartungen geweckt. Die dort angepriesenen köstlichen Leckereien im Café bestanden aus zwei Sorten Pizza-Ecken und Blechkuchen, die am Ticketschalter bestellt werden konnten. Für einen Sonntagsausflug hatten wir uns dann doch etwas mehr erhofft. Offenbar wurden die Betreiber von diesem Frühlingstag überrascht und waren auf die Besucherschar nicht eingerichtet. Also machten wir uns auf in Richtung Tollensesee, um nach einem Gasthaus Ausschau zu halten.

Die Burg Stargard ist ein geschichtsträchtiger Ort mit authentischem Charme, an dem man interessante Stunden verbringen kann. Und satt sind wir später an diesem Tag auch noch geworden.

Siehe auch: #mecklenburger_seenplatte 

(c) Lutz Schafstädt – 2026
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