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Usedom: Koserow

Koserow gehört zu den drei Bernsteinbädern in der Mitte von Usedom, wo die Insel ihre schlanke Taille hat. Früher ein Fischerdorf ist es heute ein beliebter Ferienort.

Seebad mit Ausblick und Geschichte

Wo und so | Koserow grenzt an die schmalste Stelle der langgestreckten Insel, wo sich Ostsee und Achterwasser, eine ausgedehnte Lagune des Peenestroms, ganz nahe kommen. Im Süden prägt eine Steilküste das Ortsbild, der Streckelsberg bietet dort einen hervorragenden Aussichtspunkt. Nach Nordwesten hin flacht das Gelände ab, und es beginnen ausgedehnte Strände.

Früher lebten die Bewohner vom Heringsfang. Die alten Salzhütten, ein denkmalgeschütztes Ensemble reetgedeckter Holzschuppen, in denen das Pökelsalz für den Fisch lagerte, zeugen von harter Arbeit und kargen Lebensverhältnissen. Heute sind sie Freilichtmuseum und Touristenattraktion, nur wenige Schritte von Sandstrand und Seebrücke entfernt.

Die Seebrücke wurde erst vor wenigen Jahren eröffnet und gilt als Glanzstück moderner Architektur. In mehreren Bögen, den Wellen der Ostsee nachempfunden, führt sie bis zu einer großen Plattform am Ende. Einer dieser Bögen hat in Stufen gegliederte Sitzreihen, die in Richtung Sonnenuntergang ausgerichtet sind und abends zu Logenplätzen eines Naturkinos werden. Ähnliche, pyramidenartig angeordnete Plätze bilden auch den Abschluss der Seebrücke. Dort ragt zudem ein Glockenturm in die Höhe. Vinetaglocke darin erinnert an die Sage von der reichen Stadt Vineta, die es auf einer Insel zwischen Koserow und Zinnowitz gegeben haben soll und die als Strafe für ihren Hochmut in einer einzigen Sturmflutnacht im Meer versank.

Seebrücke und Salzhütten

April 2026 | Es war ein insgesamt angenehmer Besuch in Koserow. Schon der neue Parkplatz an den Moorteichen freut uns, weil er strandnah ist und eine Toilette hat. Der Zugangsbereich durch das Parkwäldchen und der Vorplatz zur Seebrücke, alles macht einen frisch aufgemöbelten und ordentlichen Eindruck. Vieles hat sich verändert und ist moderner geworden, allem voran natürlich die Seebrücke selbst. Seit fünf Jahren gibt es sie und sie ist wirklich ein Hingucker. Ohne Zweifel ist sie die originellste Seebrücke auf Usedom, je nach Geschmack kann sie auch zur schönsten erkoren werden. Sie reckt sich mit mehreren geschwungenen Wellenbögen auf die Ostsee hinaus und führt zur Plattform, auf der es eine rostfarbene Metallskulptur, den Vineta-Glockenturm und viele Sitzgelegenheiten gibt. Eine wirklich sympathische Idee ist das Sonnenuntergangskino, dessen Sitzreihen nach Westen, zum Strand und zum Küstenwald ausgerichtet sind. Wir setzen uns einige Minuten in die Sonne, vom Wind ist nicht viel zu spüren, er hat heute zum Glück einen freien Tag.

Auch an die Koserower Salzhütten können wir uns von früheren Besuchen erinnern. Sie befinden sich gleich hinter den Dünen, sind immer noch liebevoll museal ausstaffiert, beherbergen Fischrestaurants, Räucheröfen und Touristenshops. Noch ist nicht viel los, es ist erst April. Das ist ein großer Vorteil für einen entspannten Rundgang und gelungene Schnappschüsse zwischen den Reetdächern. Für unsere Mittagspause in der Fischräucherei nebenan könnte es von Nachteil gewesen sein. Meine Frau bekam ein krustiges Brötchen, das wohl schon mehrere Aufbackrunden lang auf sie gewartet hatte. Der Brathering versank komplett zwischen den beiden Brötchenhälften und hatte sich zudem ganz dünn gemacht. Offensichtlich ein Reststück, das zum Wegwerfen zu schade war. Mein Fischtopf dagegen schmeckte mir gut, obgleich er eher eine Suppe war, die für den aufgerufenen Preis deutlich mehr Einlage verdient hätte. Wir sind nicht nachtragend, vermutlich hatten wir nur Pech. Wenn in der Saison die Geschäfte brummen, lässt sich frische Ware kaum verhindern und reicht die Suppenkelle tiefer in den Topf. Ausrutscher können passieren. Unser Bild von Koserow bleibt ungetrübt und wir werden gern wiederkommen. Wo wir dann essen gehen, entscheidet die Tagesform. Die variiert bekanntlich bei Köchen wie bei Gästen.

Sind wir im Nachbardorf von Vineta?

September 2017 | Vor unserem ersten Besuch in Koserow wussten wir nur: Das Dorf ist ein Ferienort, zu dem ein Autokino gehört, das wir schon DDR-Zeiten gern einmal besucht hätten. Das Autokino gibt es noch, bisher sind wir immer nur vorbeigefahren. In Koserow aber haben wir diesmal gehalten. Wir schauen uns als Erstes die Strände und die Seebrücke an, die vielen anderen Stränden und Seebrücken sehr ähnlich sind. Etwas Besonderes ist der Berg, an den sich der Ort schmiegt. Er heißt Streckelsberg, ragt 58 Meter auf, ist mit Küstenwald bewachsen und endet abrupt an der Steilküste. Es gibt ausgebaute Wege den Berg hinauf, mit einem Reigen schöner Aussichtspunkte unterwegs. Ganz bis zum Gipfelpunkt spazieren wir nicht, uns zieht es schon bald wieder zu den flacheren Strandabschnitten zurück. Wir schauen uns die historischen Salzhütten an, die früher für das Einsalzen der gefangenen Heringe genutzt wurden und die es, wie es heißt, nur noch hier zu sehen gibt. Es ist Mittagszeit und rings um die Hütten gibt es viele Angebote für einen Happen Fisch zwischendurch.

Was uns auch neu war, ist die Verbindung Koserows mit der Vineta-Legende. Hier vor der Küste soll es die Stadt auf einer kleinen Insel gegeben haben. Vineta betrieb Handel, war reich, hatte Glocken aus Silber und Stadttore aus Eisen. Mit dem Wohlstand wuchsen aber auch Verschwendung und Überheblichkeit. Weil alle Warnungen ignoriert wurden, drohten Strafe und Untergang. Eine mächtige Flut zog die Stadt in die Tiefe, aus der manchmal ein Glockenklang zu hören ist. Es heißt, alle einhundert Jahre taucht Vineta zu Ostern aus dem Meer auf und hofft darauf, von einem Sonntagskind erlöst zu werden. Bisher vergeblich.

Schwere Sturmfluten mit katastrophalen Folgen für die Küstenbewohner hat es in der Geschichte immer wieder gegeben. Gut möglich, es gab Vineta wirklich. Vielleicht sogar in Sichtweite von Koserow.

Siehe auch: #inselusedom / #ostseeregion
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(c) Lutz Schafstädt – 2026

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