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Flensburger Förde: Wasserschloss Glücksburg

Das Schloss Glücksburg zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten Nordeuropas. Malerisch auf einer Insel im Schlossteich gelegen, beeindruckt es mit einer leuchtend weißen Fassade, markanten Ecktürmen und einer reizvollen Lage am Wasser.

Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert auf dem Gelände eines Klosters errichtet, dessen Gebäude erst als Baumaterial genutzt und dann beim Aufstauen des Sees geflutet wurden. Über Jahrhunderte diente das Schloss als Stammsitz des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und war zeitweise sogar eine Residenz des dänischen Königshauses. Bis heute ist es ein bedeutendes Denkmal norddeutscher Geschichte und ein Symbol für die engen Verbindungen unter den europäischen Königshäusern.  

Im Inneren von Schloss Glücksburg können die prächtigen Säle und Salons, historische Möbel, Gemälde und andere wertvolle Kunstgegenstände besichtigt werden. Besonders sehenswert sind die barocke Schlosskapelle und die bemalten Ledertapeten aus dem 17. Jahrhundert.

Beim Spaziergang rund um den Schlossteich immer wieder eindrucksvolle Ausblicke auf das wie verzaubert wirkende Wasserschloss.

Vom Festsaal in die Dachkammer und hinab ins Verlies

Juni 2026 | Glücksburg ist die nördlichste Stadt Deutschlands und das berühmte Wasserschloss steht auf der Wunschliste für Ausflüge während unserer Nordfrieslandwoche. Den Weg Richtung Flensburg kennen wir schon von unserer Anreise her. Nach Glücksburg ist es nicht weit und wir landen direkt auf dem großen Besucherparkplatz vor dem Schlossteich. Auf dem Rasen macht sich gerade eine Schwanenfamilie mit drei Kindern für den Tag zurecht. Sie gehört zu dem Bild, das sich wie für eine Fotowand arrangiert, vor uns ausbreitet: Den Rahmen bilden stattliche Baumkronen mit herabhängenden Ästen, die Wasserfläche des Sees umspielt die weißen Mauern des Schlosses in seiner Mitte, an jeder Ecke ein imposanter Turm. Schon haben wir die ersten Fotos im Kasten und gehen über eine erste Brücke in den Vorhof der Anlage. Eine wahrlich dänisch anmutende einstöckige Häuserreihe umgibt uns, neben den Fenstern blühen die Rosenstöcke.

Wir holen uns an einem Automaten unser Ticket für die Schlossbesichtigung und gehen über einen Damm auf den Haupteingang zu, der von steinernen Löwen vor dem Portal und einem Fahrscheinkontrolleur hinter dem Eingang bewacht wird. Wir lassen uns kurz orientieren: Hinter der Vorhalle gibt es einen Showroom mit Film in Dauerschleife, rechts daneben geht es hinab zur Schlosskapelle. Über die Wendeltreppe links beginnt der Rundgang durch die Wohnräume auf drei Etagen, bis hinauf in die Kammern der Diener. Von dort führt die Runde schließlich hinab in den Folterkeller und in das Verlies.

Gleich im ersten Stock gibt es einen zentralen Saal mit ausladenden Kronleuchtern. Es ist der repräsentativste Raum im Schloss, ansonsten ist zu spüren, dass es nicht zum Protzen, sondern wirklich zum Wohnen genutzt wurde. Es wirkt mittelalterlich, die Räume sind nicht sehr hoch und haben menschliche Maße, in denen man es sich gemütlich machen kann. Vor allem aber hat man aus jedem Fenster einen fantastischen Blick auf See und Wald hinaus.

Ein großes Thema beim Rundgang ist der Besuch der Hohenzollern in der Gründerzeit. Kaiser Wilhelm kam mit seiner Yacht nach Flensburg, damit seine Frau Auguste Victoria ihre hier lebende Schwester besuchen konnte. Die Preußendynastie ist ein großes Thema hier und in einem Raum ist ein Bankett mit lauter berühmten Leuten nachgestellt, die ein Kenner der Zeit sicher alle beim Namen rufen kann.

Fast alle europäischen Königshäuser, so erfahren wir, sind mit dem Stammsitz Glücksburg verwandt. König Christian IX. von Dänemark brachte das den Beinamen „Schwiegervater Europas“ ein.

Das Wasserschloss ist sehr alt, deshalb kleben außer dieser noch viel mehr Geschichten an seinen Mauern. Auch eine Rolle am Ende des Zweiten Weltkrieges zählt dazu.

Die Räume sind schön gestaltet und informativ. Einige Bereiche werden für Kinderfeste genutzt, bei denen sich kleine Prinzessinnen oder Ritter verkleiden können, ein Festmahl zelebrieren und Märchenspiele veranstalten.

Wir schauen uns an, wie unter dem Dach die Dienerschaft gewohnt hat. Sehr schlichte Lebensbedingungen verglichen mit den Wohnräumen der Herrschaften und selbst hier oben sind Hierarchien im Komfort erkennbar. Wieder unten, auf Seehöhe, halten wir uns nicht lang auf. Hier gibt es Folterinstrumente zu sehen, mit peniblen Bedienungsanleitungen für die Folterknechte daneben. Selbst beim Leute quälen musste alles nach Vorschrift ablaufen. Die Kerkerzellen nebenan sind erwartungsgemäß: dunkle, feuchte und kalte Löcher, in denen niemand lange überlebt.

Zurück ans Tageslicht ist auch der Himmel heller geworden. Die Wolken teilen sich auf, die Sonne kommt durch. Wir machen einen Spaziergang um den gesamten See herum, damit wir alle Schokoladenseiten des Schlosses zu Gesicht bekommen.

Siehe auch: #ostseeregion

(c) Lutz Schafstädt – 2026
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