Im nordfriesischen Wattenmeer zwischen Husum und Niebüll liegt die Hallig mit dem eigentümlich anmutenden Namen. Sie ist nach Kaufleuten aus Hamburg benannt, die hier vor Jahrhunderten Land erwarben und einen Koog eindeichten, der schon bald von einer Sturmflut wieder zerstört wurde. Zurück blieb nur die Hallig der Hamburger Brüder Amsinck. Heute ist es die einzige Hallig der Region, die über einen vier Kilometer langen Damm mit dem Festland verbunden und bequem zu erreichen ist.
Durch die feste Verbindung mit dem Vorland ist sie streng genommen keine Insel mehr. Bei Stürmen jedoch gibt es regelmäßig Überflutungen. Bereits der Weg auf dem Damm ist ein besonderes Naturerlebnis. Er bietet über ausgedehnte Salzwiesen einen direkten Blick auf die Weite des Wattenmeeres und die Rastplätze der Zugvögel.
Zielpunkt auf der Hamburger Hallig ist die Hauptwarft mit einer Ausflugsgaststätte. Außerdem gibt es unterwegs zwei kleinere unbewohnte Warften zu sehen. Ringsherum erstreckt sich das Weltkulturerbe Wattenmeer, zu dem hier ein Vogelschutzgebiet gehört, das vom NABU betreut wird.
Mit dem Wattenmeer auf Tuchfühlung
Juni 2026 | Nach einem Besuch in Husum begegnen wir auf der Heimfahrt am frühen Nachmittag dem Wegweiser zur Hamburger Hallig. Der Tag ist noch jung, also biegen wir ab, es sind nur ein paar Kilometer. Vom Bredstedter Koog geht es in den Reußenkoog. Wir haben das Prinzip der Eindeichungen zur Landgewinnung verstanden. Der Wechsel in den nächsten Koog erfolgt immer über den eingrenzenden Deich. Das flache Land besteht aus Wiesen und Feldern, Gräben leiten das Wasser zu den Sielen ab. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft weiter und leerer. Schließlich gelangen wir zum Amsinck-Haus, einem Infopunkt für den Nationalpark Wattenmeer, direkt am letzten Deich vor dem Marschland und dem Watt.
Fünf Kilometer sind es noch bis zur Hamburger Hallig, entnehmen wir einem Schild. Doch wir stehen vor einer Schranke. Für die Weiterfahrt wird eine Gebühr von sechs Euro fällig. Wenn wir schon einmal hier sind, gönnen wir uns die Tageskarte. Wir fahren über den Deich und auf einen schnurgeraden befestigten Damm mit nur einer Fahrspur. Alle paar hundert Meter gibt es Haltebuchten zum Ausweichen für den eventuellen Gegenverkehr. Uns kommen auf der gesamten Strecke jedoch nur drei Autos entgegen und man sieht sie bereits in der Ferne sich nähern, so dass jeder in Ruhe entscheiden kann, wer mit dem Ausweichen an der Reihe ist. Beiderseits der Straße breiten sich die Salzwiesen aus. Das Besondere hier ist, dass es keinen weiteren Deich mehr gibt. Die Wiesen gehen nahtlos in das Watt und das Meer über, wir können es während der Fahrt jederzeit sehen.
Eine Hallig, das will ich hier noch erwähnen, ist das gesamte flache Grasland, sind die Salzwiesen und Weiden, die sich aus dem Watt erheben und bei Sturm von Überschwemmungen bedroht sind. Dann ziehen sich die Menschen und ihr Vieh auf die Warften zurück. Die Warften sind künstliche Wälle, die den nicht vorhandenen Deich ersetzen und die auf ihnen errichteten Gebäude über die mögliche Fluthöhe heben. Die Warft ist das, was der Beobachter aus der Ferne sieht, die Hallig selbst ist natürlich viel größer und umfasst das gesamte Marschland im Watt. Insofern ist die Hamburger Hallig mit dem Deichvorland verbunden und keine wirkliche Insel mehr.
Auf halber Strecke passieren wir die erste Warft der Hallig. Darauf befindet sich eine Station vom Naturschutzbund. Wir würdigen sie mit einem freundlichen Blick und rollen langsam weiter zu dem Bauernhof auf einer Warft am Ende des Weges. Die Mauern sind weiß, die Haupthäuser reetgedeckt. Auf dem Parkplatz stehen einige Autos, die Pfützen vom letzten Regen sind jedoch in der Mehrzahl. Nur wenige Schritte später haben wir den Hügel erklommen und schauen durch die kleinen Fenster in einen Gastraum. Hallig Krog heißt die Gastwirtschaft, sie ist gut besucht, nur die Tische, Bänke und Strandkörbe im Außenbereich stehen nass und verwaist.









Vom Wall in die Landschaft eröffnet sich ein begeisternder Blick. In der Ferne sind die benachbarten Halligen zu sehen, ein Orientierungsplan hilft uns, Pellworm, Hooge und Gröde korrekt anzupeilen. Während wir schauen, rüttelt ein kräftiger Wind an uns und dunkle Wolken treiben heran. In Windeseile ist der Regenschauer da und wir ziehen uns ins Haus zurück. Zwar haben wir vor noch gar nicht so langer Zeit zu Mittag gegessen, doch für eine Waffel mit Eis und heißen Kirschen ist gerade noch Platz. Ein Kaffee dazu, und schon fühlen wir uns wohl. Wir sind dem Schauer fast dankbar dafür, uns in das Restaurant getrieben zu haben. Gut, dass wir dieses Erlebnis nicht verpasst haben, in dem alten Haus mit niedrigen Türen und Deckenbalken, mit den hübsch dekorierten Fenstern und dem schützend geduckten Schilfdach.
Als der Regen vorbei ist, gehen wir über die satten Halligwiesen und vorbei an den flauschigen Schafen zum Badestrand hinunter. Das Wasser ist gerade auf dem Rückzug, doch bis zur Ebbe wird es noch Stunden dauern. Satt gegessen, satt gesehen und gut durchgelüftet machen wir uns auf den Heimweg. Am Deich stellen sich uns einige Schafe in den Weg und schauen uns interessiert an. Der Ausflug zur Hamburger Hallig wird sich als Urlaubshighlight unseres Besuchs in Nordfriesland in die Erinnerungen einsortieren. Man fühlt sich dort vorn wirklich Stirn an Stirn mit den Elementen.
Siehe auch: #nordseeküste
(c) Lutz Schafstädt – 2026
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