Für einen Spaziergang zwischen den Feiertagen sind wir zum Raichberg auf die Schwäbische Alb und haben frische Winterluft und einen fantastischen Ausblick genossen.
Dezember 2025 | Den letzten Sonntag des alten Jahres wollen wir mit einem kleinen Ausflug verschönern. Wir sind zu Besuch in Tübingen und haben gehört, auf der Schwäbischen Alb sollen sogar ein paar Schneeflocken liegen. Das weckt die Lust, ein paar Schritte am Albtrauf zu gehen und wir machen uns auf den Weg.
Unterwegs mehren sich die Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war. Was wir eben noch trüb und diesig nannten, ist ein handfester Nebel geworden und er wird immer dichter, je näher wir Hechingen kommen. Ausflugswetter ist anders. Vielleicht, wird es besser, wenn wir erst einmal Höhe gewinnen? Doch auch in den Straßenwindungen hinter Bisingen klebt der Nebel direkt über der Fahrbahn und krallt sich in den Baumwipfeln fest. Manchmal aber erfüllen sich Hoffnungen. Wie ein Flugzeug, das die Wolkendecke durchstößt, erreichen wir kurz vor Albstadt die Nebelgrenze und sehen uns ein eine Winterwelt versetzt. Ein paar Flocken auf den Boden, Reif in den Zweigen, dazu heller Sonnerschein, und alles funkelt silbern.
Wir fahren weiter zum Raichberg am Zollernsteig. Am Nägelehaus, einem Wanderheim und Berggasthof, finden wir einen Parkplatz. Es ist ein Knotenpunkt für zahlreiche Wanderrouten durch die Umgebung, die alle hervorragend gekennzeichnet sind. Auf Informationstafeln ist ersichtlich, welche Naturattraktionen und Aussichtspunkte entlang der Strecke zu finden sind, wie anspruchsvoll die Route ist und welche Distanzen zu bewältigen sind. Da ist für jede Wanderambition etwas dabei. Wir entscheiden uns für einen kleinen Rundkurs, der an einem Sonntagnachmittag mühelos zu bewältigen ist.
Gleich in der Nähe des Nägelehauses gibt es einen 22 Meter hohen Aussichtsturm. Wir besteigen ihn nicht, ich will ihn nur erwähnen, weil er einen einmaligen Rundblick ins Umland bieten soll, bis zum Feldberg im Schwarzwald und bei klarer Sicht sogar bis zu den Alpenmassiven. Wir folgen dem Weg weiter bis zum Albtrauf. Erst aus der Nähe ist zu sehen, wie die Hochebene der Alb hinter einem Saum aus Bäumen abrupt endet und sich ein schroffer Abgrund auftut. Hinter einer Felskante geht es senkrecht in die Tiefe, öffnet sich der Blick in eine Ferne, unwirkliche Welt. Hier an der Traufkante stehen wir etwa 950 Meter über dem Meeresspiegel. Hechingen, zwischen den Nebelfetzen nur fragmentarisch fern zu erkennen, liegt über 400 Meter weiter unten. Doch ein anderes spektakuläres Bild zieht alle Aufmerksamkeit auf sich: Die Burg Hohenzollern. Sie gibt sich als ultimatives Märchenschloss, das mit seinen Türmen und Zinnen auf einem Bergkegel über den Wolken zu schweben scheint. Wir blicken von oben zur Burg hinüber, die sie umrahmende Landschaft wirkt wie ein extra für diesen Anblick arrangiertes Bühnenbild. Für das beste Foto wagen sich die Spaziergänger ganz nah an die Felsenkante heran, doch ist Vorsicht geboten, die Steine sind nass. Wer die Burg Hohenzollern aus noch größerer Nähe betrachen möchte, kann den Weg bis zum Zeller Horn weitergehen. Dort gibt es direkten Blickkontakt aus nur 1500 Meter Entfernung.
Einen Aussichtspunkt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist der Hangende Stein. Neben der atemberaubenden Fernsicht lässt sich Geologie in Aktion betrachten. Die Schwäbische Alb, der Raichberg und die gesamte Traufkante sind seit Urzeiten unentwegt in Bewegung. Der Hangende Stein gehört zu einer Felswand, in der sich deutlich erkennbare Abrissklüfte gebildet haben und die bereits leicht nach außen kippt. Nicht heute und morgen aber unweigerlich wird das Felsmassiv eines Tages vom restlichen Albtrauf abbrechen und in die Tiefe stürzen. Daran denken wir, wenn wir in die Spalten und Brüche im Boden schauen und bekommen Respekt vor den Naturgewalten.
Wir haben einen schönen Nachmittag in dieser eindrucksvollen Landschaft verbracht. Ein Ausflug ist selbst dann eine Empfehlung wert, wenn man nur einen der wunderschönen Aussichtspunkte besuchen und anschließen gemütlich einkehren möchte.
Siehe auch: #regionschwäbischealb
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(c) Lutz Schafstädt – 2026










