Der Teufelsberg erhebt sich am nördlichen Rand des Grunewalds und ragt 120 Meter in die Höhe. Er ist keine natürliche Erhebung, sondern wurde nach dem Krieg aus den Trümmern Berlins aufgeschüttet, die aus dem zerbombten Charlottenburg und Wilmersdorf hierher gekarrt wurden. Mit viel Aufwand verwandelte sich der Trümmerberg allmählich in einen Wald und wurde zur Naherholung. Es gab Skipisten und Rodelbahnen, die seinen Ursprung fast vergessen machten. Bis heute sind seine Hänge eine der ersten Adressen für Berliner Mountainbiker.
Im Kalten Krieg reservierte sich die U. S.-Army den Gipfel als Standort für eine Abhöranlage. Sie installierte Radartechnik zur Überwachung des Luftraums und belauschte von hier aus mit Antennen den Funkverkehr im Ostblock und vor allem den der sowjetischen Streitkräfte rings um die zwischen den Siegermächten aufgeteilte Stadt. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Abzug der Amerikaner diente die Anlage noch einige Jahre der Flugsicherung, um nach der Jahrtausendwende in einen Dornröschenschlaf zu fallen. Es gab einige Versuche, das Gelände wieder zu nutzen, doch keiner hatte Erfolg. Inzwischen setzten der Zahn der Zeit und Vandalismus den Bauten gewaltig zu.
Trotz dieser widrigen Umstände entwickelte sich der Teufelsberg zu einem Ausflugsziel. Das desolate Ambiente hat tatsächlich Anziehungskraft. Es gibt eine informative Ausstellung zur Geschichte des Ortes und regelmäßige Führungen. Junge Künstler schaffen sich Freiräume für unterschiedlichste Projekte und setzen berlintypische Akzente.
Übrigens: Seinen Namen hat der Berg vom Teufelssee, der ganz in der Nähe am Rand des Grunewaldes zu finden ist.
Farbtupfer auf kaltem Beton
Februar 2019 | Die Bauten auf dem Teufelsberg sind weithin sichtbar. Weiße, wie Champignonköpfe anmutende Kuppeln recken sich auf seinem Gipfel aus dem Wald. Sie leuchten in der Sonne auf und wirken geheimnisvoll. Ich wollte schon immer einmal dorthin. Ich wusste, hier war während der Teilung Berlins eine militärische Abhörstation der Amerikaner. Kürzlich hatte ich gelesen, sie sei nach einigen gescheiterten Versuchen der Nachnutzung endlich unter Denkmalschutz gestellt worden. Was ich nicht wusste, war, ob man das Gelände betreten konnte. Am ersten frühlingsmilden Februartag schauten wir uns die Sache aus der Nähe an.
Wir waren zu spät oder zu früh, wie man es nimmt. Es gab eine Zeit, da durften Besucher einen der Türme als Aussichtsplattform nutzen. Das ist vorbei. Jetzt gibt es die Erwartung, dass sich das Denkmal in eine museale Attraktion verwandelt. Bis dahin sieht man vor allem viele Spuren von Verfall. Teile des Geländes sind aus Sicherheitsgründen gesperrt und der spektakuläre Blick über Berlin ist nur als Foto zu haben. Durchgang verboten. Einen wirklichen Aussichtspunkt für einen Blick über die Stadt gab es deshalb nicht, doch konnten wir das weitläufige Gelände bei einem Rundgang erkunden.











Viele Kreative sorgen dafür, dass die ehemalige Radarstation nicht nur wie eine Ruine aussieht. Jede erreichbare Fläche ist mit Graffitis dekoriert und allerorten finden sich Skulpturen und andere Kunstobjekte. Es heißt, der Teufelsberg sei die größte und höchstgelegene Street-Art-Galerie Europas. Abseits dieser Superlative ist er in jedem Fall ein Stück unverwechselbares Berlin mit dem ganzen Bauchladen der typischen Attribute: experimentierfreudig, geschichtsbeladen, kreativ, verschlissen, unkonventionell, innovativ und gewöhnungsbedürftig.
Unser Besuch auf dem Teufelsberg war anders als erwartet. Die ehemalige Abhörstation gibt es nur noch als Fragment, die Hinterlassenschaften werden von frischen Farben überwuchert, von neuen Sichtweisen in Besitz genommen. Wir haben interessante Stunden hier verbracht. Wie gesagt, es fühlte sich an, als wären wir dem Ort in einer Zwischenzeit begegnet, zwischen nicht mehr und noch nicht. Wir werden noch einmal wiederkommen, wenn sich das Denkmal gefunden hat. Der erhobene Eintrittspreis lässt sich nicht überzeugend begründen. Hoffentlich wird er einen kleinen Beitrag für die dringend nötigen Erhaltungsmaßnahmen leisten.
Siehe auch: #berlinerleben
(c) Lutz Schafstädt – 2023
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