Meseberg ist ein Dorf im Ruppiner Land. Es liegt nördlich von Berlin, kurz vor Gransee, inmitten einer lieblichen Landschaft.
Das Schloss von Meseberg ist eine barocke Schönheit von überraschenden Dimensionen. Es wird flankiert von flachen Wirtschaftsgebäuden, die einen ansehnlichen Vorplatz bilden. Hinter dem Schloss führt ein in Terrassen angelegter Park zum Ufer des Huwenowsees hinunter. Die Verbindung zum Dorf stellt eine kurze Allee her, deren Bäume aufgereiht stehen wie die Soldaten einer Ehrenkompanie. So viel Repräsentation in einer ländlich geprägten Gegend, mitten im Nirgendwo, umgeben von einer Handvoll Bauernhäusern, ist schon erstaunlich.
Der Hintergrund: Meseberg war ursprünglich ein gewöhnliches Rittergut. Anfang des 18. Jahrhunderts brannte das Gutshaus ab, und ein reicher Graf mit Glanzbedürfnis, der in diesen Besitz eingeheiratet hatte und Sohn eines preußischen Generalfeldmarschalls war, ließ ein standesgemäßes wie kostspieliges Schloss errichten. Seine Töchter verkauften das Anwesen samt den zugehörigen Gütern bereits wenige Jahre nach seinem Tod an Prinz Heinrich von Preußen, der zu dieser Zeit in Rheinsberg Hof hielt. Heute, frisch saniert und aufgemöbelt, ist es ein Gästehaus der Bundesregierung.
Barocker Prunk auf dem Lande
Juli 2020 | Schloss Meseberg ist kein Ausflugsziel im eigentlichen Sinne, doch lohnt sich ein Abstecher, wenn man in der Gegend ist. Der Grund für die Einschränkung ist schnell erklärt: Weil es seit 2007 Gästehaus der Bundesregierung ist, kann es aus Sicherheitsgründen nur noch durch die Zaunstreben bewundert werden. In den Park und das Schloss kommt nur, wer bei einem „Tag der offenen Tür“ zur Stelle ist. Doch die Gelegenheiten dafür sind selten.
Historisch und anekdotisch interessant wurde das Schloss, als es Prinz Heinrich gehörte. Er war ein Bruder des preußischen Königs Friedrich II. und stand in dem Ruf, „männerliebend“ zu sein. Zu seinen Günstlingen gehörte Christian Ludwig von Kaphengst. Dem machte Prinz Heinrich Meseberg zum Geschenk, als der Alte Fritz, Preußenkönig in Potsdam, persönlich intervenierte und verlangte, Kaphengst der Gerüchte wegen aus Rheinsberg und damit von der Seite seines Bruders zu entfernen.
Theodor Fontane erzählt in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, Prinz Heinrich habe Kaphengst seiner „Jugend und Schönheit“ wegen in seine Nähe geholt und ihn zu seinem Adjutanten gemacht, obwohl ihn dazu „seine geistigen Gaben keineswegs befähigten“. Die Bevorzugung durch den Prinzen machte Kaphengst so „übermütig“, dass selbst der König davon Notiz nahm und das Verhältnis „missbilligte“. Mit einer ordentlichen Geldsumme als Geschenk befahl der König seinem Bruder, Kaphengst zu entlassen. So kam dieser zu einem Schloss und übersiedelte nach Meseberg. Doch die Beziehung zwischen Prinzen und Günstling endete damit nicht, sie wandelte sich nur. Was blieb, waren der aufwändige Lebenswandel, Geldströme aus Rheinsberg und Besuche des Prinzen. Fontane widmet diesem Thema ein ganzes Kapitel in seinem Buch. Da war einiges los, zu jener Zeit in Meseberg, und Kaphengst lebte deutlich über seine Verhältnisse. Am Ende der Geschichte brach Prinz Heinrich mit ihm und er steuerte in den finanziellen Ruin. Ein Satz von Fontane noch als Abschluss, der vielleicht Lust macht, es in den „Wanderungen“ selbst nachzulesen: „Wenn von Kaphengsts Habsucht, Wüstheit und Eitelkeit schon in Rheinsberg ihre Proben abgelegt hatten, so verschwanden diese neben dem, was er jetzt in Schloss Meseberg in Szene setzte. Debauchen aller Art lösten sich untereinander ab und die wahnsinnigste Verschwendungssucht griff Platz.“ (Debauchen = Ausschweifungen)
Zu den späteren Eigentümern gehörte ein Sohn der Verlegerfamilie Lessing aus Berlin, die den Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu ihren Vorfahren zählte. Aus dem Umfeld dieser Familie erfuhr Theodor Fontane vom Lebensweg der Baronin Elisabeth von Ardenne. Ihre Geschichte diente ihm als Vorlage für seinen Roman „Effi Briest“.
Die jüngere Geschichte in aller Kürze: Nach 1945 wurde der Besitz entschädigungslos enteignet. Ein Lebensmittelladen, ein Kindergarten und die Gemeindeverwaltung bezogen das Schloss. Aus Vernachlässigung wurde Verfall, der sich durch den Leerstand nach der Wende noch beschleunigte. Nach der Jahrtausendwende sorgte die Messerschmitt-Stiftung für die Restaurierung und überließ Schloss Meseberg der Bundesregierung zur Nutzung. Der erste hohe Besuch im neuen Gästehaus war im Januar 2007 der französische Staatspräsident Jacques Chirac.






Bei unserem Besuch kommen wir von Lindow her und halten Ausschau nach Meseberg. Es kann nicht mehr weit sein, doch weder Haus, Dach noch Kirchturm sind hinter den Feldern zu sehen. Vielleicht nach dem nächsten Waldstück? Doch zunächst geht es in ein Tal hinunter und um eine scharfe Kurve herum. Dann ist das Dorf plötzlich da. In seiner Mitte das imposante Schloss.
Ein hoher Zaun umgibt das ganze Gelände, Technik und Personal sichern es vor ungebetenen Besuchern. Insgeheim hatten wir uns etwas mehr Nähe erhofft, zumindest einen Schritt in den Park. Doch am Tor ist Schluss, wir finden uns damit ab, schlendern die Dorfstraße entlang zum Schlosswirt und zur Kirche.
Direkt gegenüber der Vorfahrt zum Schloss wird gerade eine Pressetribüne gebaut. Neben der Straße liegen schon die Kabel für die Kameratechnik bereit. Wir lassen uns rasch von Google erzählen, welcher hohe Besuch ansteht. Schon am nächsten Tag, erfahren wir, wird hier der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte durch Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Dann werden auf dem Parkplatz nebenan sicher ein paar mehr Fahrzeuge stehen als heute.
Schloss Meseberg wurde direkt an den Huwenowsee gebaut, doch vom Dorf aus sieht man ihn nicht. Auch einen Zugang hinunter zum Ufer finden wir nirgends. Wir müssen wieder auf das Plateau hinauf und auf der anderen Seite erneut ins Tal hinabsteigen, um einen Blick auf See und Schloss zu werfen. Am Rand des Abhangs zum Ufer öffnet sich das Panorama aus Schloss, See und Sommergrün. Eine absolute Postkartenansicht. Wir genießen den Anblick und schauen eine Weile den Badenden zu, die hier, vis-à-vis vom Schlosspark, an einer Lücke im Schilf ihre Decken über das Gras geworfen und den Platz neben dem Bootssteg zur Badestelle erklärt haben.
Siehe auch: #ruppinerland / #theodorfontane
(c) Lutz Schafstädt – 2023
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